Markus Mittringer im Standard / Rondo:
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25. Nov, 2002 |
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Im Zentrum der Farbe |
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Wien, der Gürtel:
Ein inständiges und andauerndes Werben. Geschäfte, Peep-Shows, Wirtshäuser:
Alle buhlen um Aufmerksamkeit. Gerade wenn es dunkel wird. Vom Einbruch der
abendlichen Dämmerung bis ins Morgengrauen: ein einziges Flimmern in der
gewerblichen Absicht, Einzelne aus dem Verkehr zu ziehen, sie zu Konsum,
Ein-oder Verkehr anzuhalten. Leuchtreklame liegt im Dauerclinch mit
gelb-rot-grünen Durchflussreglern. Bremsleuchten, Blinker, Scheinwerfer
suchen das Chaos zu ordnen, Kandelaber leuchten dem Fussvolk seinen Weg. Mittendrin, in einem der Stadtbahnbögen, die nun auch
schon wieder länger dahingehend justiert werden, aus dem Ödland zwischen den
Fahrbahnen eine zweite Donauinsel zu erschaffen (in konsequenter Fortsetzung
der ersten wurde auf den Aspekt "Baden" gleich verzichtet), harrt
der Kubus EXPORT seiner vielfältigen Bestimmungen. Es ist ein Glasraum. Man
findet ihn in etwa dort, wo Hernalser Gürtel und die Friedmanngasse sich
kreuzen. Vorübergehend hat ihn Victoria Coeln in Verwendung genommen. Oder
eigentlich für jedermann adaptiert: als - wahlweise - Bühne oder Raum zur
Selbsterfahrung. Über den Zugang zu ihrer Arbeit meint die 1962 in Wien
geborene Künstlerin Victoria Coeln: "Zentrales Thema meiner Arbeit ist
Farbe als Farbe selbst - Farbe, mittels Licht abstrahiert, gelöst von
Materialität und Form - Farbe, monochrom sichtbar gemacht als elementare
Substanz." Coeln hat ins Lichtermeer ringsum ein weiteres gesetzt.
Einen Farbraum, der der Hektik trotzt. Ihr Material ist einzig Licht, Filter
sorgen für ein breites Spektrum. Farbe dringt ungehindert in den Außenraum.
Und ist doch geborgen, geschütz, wie der Goldfisch im Aquarium. Und ebenso
dominant. Coelns Lichtspiel setzt sich durch. Nicht ob seiner Leuchtkraft,
nicht ob seiner chromatischen Eigentümlichkeit. Es dominiert, weil es dem
ersten Anschein nach absichtslos im urbanen, im Raum der tausend Angebote und
Aktionen steht. Gelassen strahlt der Kubus vor sich hin, ungerührt und
unberührbar. Und verweist damit mehr auf seine Umgebung, denn auf sich
selbst. Der Farbfleck thematisiert die Umgebung, der Schein verweist auf das
Gebaute, seine potenzielle Flüchtigkeit befragt die Hektik ringsum, die doch einem
Anspruch an Dauer entspringt. Oder, wenn man so will, ist eine geschützte
Atmosphäre im Kriegsgebiet entstanden. Geschützt bedeutet aber nicht hermetisch. Der Kubus ist
zu betreten. Man kann ins Zentrum des Farbraums vordringen, muss sich aber
der Konsequenzen dieser Neugier bewusst sein. Jedes Eindringen verändert.
Jeder Gast wirft polychrome Schatten. Sein Tun wirkt auf die Umgebung, noch
seine kleinsten Bewegungen zeitigen bunte Folgen. Und: ein Privatgemach im
Glashaus war das nur für das Licht. Sobald der Beschauer eintritt, wird sein
Tun ein öffentliches, erlischt jegliche Distanz. Er wird Aktivist. Dass
derartige Bühnen an professionellen Auftretern nicht vorbeikönnen, ist klar.
Die Künstlerin Ilse Gerwolf wird mittels Kondenswasser polychrome Licht /
Schattenspuren in den Kubus flüchtig einschreiben, der Tänzer Sebastian
Prantl wird im Ensemble mit den Farben zu intensivem Ausdruck finden, die
Cellistin Karin Hopferwieser steuert den Sound zur Sinfonie aus Farbe bei. |