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collective identities V | nouva consonanza

Die Schachtel
Improvisation nach Nuova Consonanza

Eine Produktion von

Wien Modern und ensemble on_line vienna

dietheater Künstlerhaus 2005

Interpreten

ensemble on_line vienna, Simeon Pironkoff, musikalische Leitung; Stephan Rehm, Stimme; Franz Hautzinger, Trompete; Hannes Löschel, Klavier; Tibor Kövesdi, Kontrabaß; Berndt Thurner, Schlagzeug; Bertl Mütter, Posaune; Michael Moser, Violoncello; Ernesto Molinari, Klarinette; Wolfgang Suppan, Elektronik; Victoria Coeln, Lichtraum

 

Programm

Teil 1

Franco Evangelisti - Die Schachtel (1962/63) EA

ensemble on_line
Simeon Pironkoff (musikalische Leitung)
Stephan Rehm (Sprache)

Pause

Teil 2

Improvisation nach Nuova Consonanza

 

Licht und Klang: Chromotop und Improvisation

zu «collective identities V | nuova consonanza»

 

Ein neutraler, relativ dunkler Theaterraum – Bühnen- und Zuschauerraum sind nicht von einander getrennt. Während die Zuschauerinnen und Zuschauer ihre Sitzplätze einnehmen, verbreitet ein diffus helles Lichtfeld eine undefinierbare Stimmung zwischen Spannung und Kontemplation, die Ruhe vor dem Sturm?

Das Lichtfeld ist in das Zentrum einer hellgrauen, weichen Folie projiziert, die den Bühnenbereich hinter den Musikern begrenzt. Es entsteht aus mehreren Überlagerungen von geometrisch abgegrenzten Lichtquellen, die durch gemalte Lichtfilter gelenkt werden. Die Projektorengruppe, die das Lichtfeld erzeugt, steht am Boden, zentral im Bühnenraum vor den Zuschauern. Zwischen den Lichtquellen und der Projektionsebene bildet sich das Chromotop.

Im ersten Teil des Abends, in Franco Evangelistis Die Schachtel, bleibt das Chromotop unberührt. Im zweiten Teil, in Improvisation nach Nuova Consonanza, wird das Chromotop visuelles Element der Komposition und Improvisation – Irritations- oder Konstruktionselement eines neuen Ganzen?

Der Begriff Chromotop hat seine Wurzeln im Altgriechischen: chroma" bedeutet Farbe, tópos" Ort, Raum. Angelehnt an den gebräuchlichen Begriff des Biotops, bedeutet Chromotop im weitesten Sinn ein mit Lichtfarben gefüllter Lebensraum.

Unsere Sonne ist die Quelle des Urchromotops, jenes Lichtraums, der selbst nicht sichtbar ist und dennoch täglich unseren Lebensraum für uns sichtbar macht und mit Energie füllt. Chromotope sind komprimierte, formfreie Lichträume, die durch Überlagerungen mehrerer, ursprünglich weißer Lichtquellen entstehen. Diese Lichtquellen werden für das Chromotop, mit gemalten Lichtfiltern eingefärbt. So entstehen polychrome Lichtraumsegmente, die sich an der Projektionsebene zu einem oder mehreren sehr ruhigen, hellen Lichtfeldern überlagern, das heißt sie mischen sich additiv zu einer monochromen Abbildung. Zwischen den Lichtquellen und der Projektionsebene bildet sich das Chromotop.

Sobald ein Akteur in dieses formfreie Chromotop eintritt, wird das homogene Lichtfeld für diesen Augenblick zerstört". Die Lichtfarben werden aktiv und die Körper projizieren kaleidoskopartige, polychrome Farbschatten in das homogene Lichtfeld. So entstehen mit der Bewegung des Lichtakteurs – der zeitgleich musikalischer Akteur sein kann aber nicht sein muss –, ständig neue, höchst individuelle Formen auf der Projektionsebene – flüchtige, kinetische Malerei on the move.

Im Projekt collective identities V | nuova consonanza ist das Chromotop ebenso Teil des improvisatorisch-kompositorischen Aktes, wie jede musikalische Intervention. Die inhaltliche Verbindung von Licht und Klang, die Flüchtigkeit des Immateriellen, wird als neues Ganzes wahrnehmbar. Victoria Coeln, 2005

 

 

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