Lichtinseln im Lichtraum Kunstplatz Karlsplatz
permanente Chromotope für den öffentlichen Raum
Standort: Resselpark, Karlsplatz Wien
Baubeginn: September 2005
Eröffnung: 20. Mai 2006
Im Auftrag der MA33, Öffentliche Beleuchtung Wien
Amateurvideo 2006
Abstract
"Lichtraum Kunstplatz Karlsplatz" ist ein gemeinsames Projekt der Magistratsabteilung 33, Öffentliche Beleuchtung und der Künstlerin Victoria Coeln. Gemeinsames Ziel dieser spannenden Kooperation ist die Verbesserung der atmosphärischen Qualität des nächtlichen Resselparks. Im Zentrum steht dabei der Mensch. Aus technischer Sicht (MA33) liegt der Schwerpunkt im Verbessern der Sicherheit, des Sicherheitsempfindens, aus künstlerischer Sicht (Victoria Coeln) geht es vor allem um Wohlbefinden, um das Ermöglichen einer neuen, unmittelbaren Begegnung mit Licht und Lichtfarben: mit kaleidoskopartigen Farbschatten in Lichtinseln voller Überraschung, von poetischer und spielerischer Qualität, für PassantInnen und BesucherInnen jeder Altersgruppe.
Foto: Victoria Coeln 2006
Diskurs Karlsplatz – kurzer Rückblick auf Wettbewerbe, Licht und Kunst
Vor beinahe 150 Jahren, 1858, lädt Wien zu einem internationalen Wettbewerb und eröffnet damit einen wesentlichen Diskurs zu grundlegenden städtebaulichen Fragestellungen rund um den Karlsplatz. Diesem Wettbewerb folgen zahlreiche Ausschreibungen und vielfältige Entwürfe, Eigeninitiativen namhafter Architekten, die seither sowohl in den Medien, in ausgewählten Runden, als auch im Kaffeehaus und am Küchentisch lebhaft diskutiert werden.
Einzig das Siegerprojekt des „Wettbewerb Karlsplatz 1971“ der dänischen Landschaftsarchitekten Sven Ingvar Anderson, Odd Brochmann und Peter Brogaard, später „Atelier Karlsplatz“, wird in einem langen Prozess von Überarbeitungen realisiert, begleitet von intensiven kontroversiellen öffentlichen und politischen Diskussionen. Mit Abschluss der Bauarbeiten, 1978, beschreibt „Atelier Karlsplatz“ die weitere Entwicklung des Karlsplatzes in den nächsten 70 Jahren und überreicht dieses „Testament“ den an der Ausführung beteiligten Dienststellen des Magistrats. Natürlich wird darin zuerst auf die Veränderung von Grünraum und Baumbestand eingegangen. Doch auch der Kunst und dem Licht sind eigene Kapitel gewidmet: „Die Beleuchtung des Resselparks besteht aus gleichmäßig verteilten, neutralen Kandelabern, die kaum beachtet werden. Diese Kandelaber erscheinen schmächtig im Vergleich zum mächtigen Gebäude der Technischen Universität. Hier wäre eine Verbesserung möglich … Zu einem späteren Zeitpunkt, zu dem es ein besser entwickeltes Gefühl für die Qualität des künstlichen Lichtes geben wird, wäre es zweckmäßig, die Glühbirnen durch moderne Lichtquellen zu ersetzen.“ („Atelier Karlsplatz“: Testament der Gestalter, Kopenhagen 1978/79)
Heute, 2005, wird an der Erfüllung dieser Aufgabe in einer besonderen Symbiose gearbeitet:
In dem innovativen Projekt "Lichtraum Kunstplatz Karlsplatz" wird sich neueste Lichttechnik mit speziell für den öffentlichen Raum entwickelter Lichtkunst verbinden.

Der künstlerische Lichtraum, das Chromotop
Bisher wurden und werden künstlerische Lichträume, Chromotope, immer wieder temporär an unterschiedlichen Orten aufgebaut, zB. in Wien beim Transparenten Raum von VALIE EXPORT (2002), im Museumsquartier: Farbraum e-basis (2003) und im Juli 2005 im Schlosspark Kassel-Wilhelmshöhe für das internationale Ausstellungsprojekt LICHT(e) WEGE. Mit den Lichtinseln für "Lichtraum Kunstplatz Karlsplatz" wird erstmals ein Chromotop permanent in den öffentlichen Raum integriert. Nun, was ist ein Chromotop?
Die Sonne ist die Quelle des Urchromotops, jenes Lichtraums, in dem wir uns täglich bewegen, dem wir unser menschliches Dasein verdanken, auch wenn das Licht darin für uns unsichtbar ist.
Ein Chromotop ist ein künstlich hergestellter, komprimierter Lichtraum, bestehend aus mehreren ursprünglich weißen Lichtquellen, bestückt mit bemalten Glasfiltern, die an Boden-, Wand- oder Bildflächen zu hellen Lichtfeldern überlagern bzw. von diesen reflektiert werden. Der diffus helle Farbeindruck entsteht aus der additiven Farbmischung der gefilterten Lichtquellen, sozusagen antiprismatisch. Je heller die realen Flächen (Boden, Wände oder anderes Trägermaterial) selbst sind, desto besser werden natürlich die Abbildungen des Chromotops sichtbar. Im Resselpark wird deshalb in den geplanten Bereichen der Lichtinseln ein heller, annähernd weißer Stein verlegt, der besonders gut reflektierend wirkt.

Installation der Lichtinseln
Vier Strahler (spezielle Lichtraumprojektoren) werden nebeneinander in einer Höhe von ca. 4,5 m auf einem Mast montiert. Für die größte der vier Lichtinseln (ca. 200 m²) werden drei Projektionsgruppen dieser Art benötigt. Die Strahler sind senkrecht von oben nach unten auf die Bodenfläche gerichtet, die eingebauten Reflektoren sind so berechnet, dass die Lichtfelder am Boden überlagern. Jeder Projektor ist mit einem gemalten Glasfilter bestückt, die Farben der vier Glasfilter sind so auf einander abgestimmt, dass sie in additiver Lichtmischung vorerst einfache, helle Lichtfelder am Naturstein erzeugen. Zwischen der Abbildung der Lichtfelder auf der Bodenfläche und den Lichtquellen befindet sich der künstliche Lichtraum, das Chromotop.
Sobald PassantInnen oder BesucherInnen in das Chromotop eintreten, wird das gemalte Licht aktiv. Plötzlich zeichnen ihre Körper vielschichtige, kaleidoskopartige Farbschatten auf den hellen Steinboden. In jedem Augenblick neu, in Bewegung, entstehen jetzt flüchtige, temporäre Bilder, immaterielle Abdrücke - cityprints on the move.
Im Zentrum dieser Lichtkunst stehen immer Menschen, und zwar aller Altersgruppen. Für die einen bieten die Lictinseln überraschende, poetische Momente, für die anderen vielleicht spielerische Möglichkeiten. Allen bleibt es selbst überlassen, das reichhaltige Angebot anzunehmen. Diese Form der Lichtkunst ist bewusst dezent in den Park integriert. Im ersten Augenblick soll "nur" angenehme Stimmung, ein Gefühl des Wohlbefindens wahrgenommen werden, danach, mit etwas Zeit, vielleicht zufällig beim Durchqueren einer der Lichtinseln, erschließt sich auch die besondere, lebendige Qualität gemalten Lichts.
Standorte der 4 Lichtinseln
links:
http://www.wien.gv.at/licht/karlsplatz.htm
http://oesterreich.orf.at/wien/stories/53746/
http://www.wien.spoe.at/online/page.php?P=10457