Lichtraum Wiener Konzerthaus
permanente Installation » english
Standort: Wien
Entwicklung: 2004-07
Eröffnung: 26. September 2007
Klassische Malerei — Innovative Technologie
Die erste Saison des Wiener Konzerthauses unter der Intendanz von Bernhard Kerres beginnt mit einem Highlight im wahrsten Sinne des Wortes: im Anschluss an das Konzert im Großen Saal mit dem WDR Sinfonieorchester Köln wird um 21.30 Uhr vor dem Konzerthaus der „Lichtraum Wiener Konzerthaus“ mit einer audio-visuellen Performance feierlich eröffnet.
Die Wiener Konzerthausgesellschaft war seit dem Abschluss der erfolgreichen Generalsanierung im Jahr 2001 auf der Suche nach einem künstlerischen Lichtkonzept für die Fassade, das das hochkarätige Programm des Konzerthauses entsprechend ergänzt.
Die Künstlerin Victoria Coeln hat eine Lichtkomposition geschaffen, die der Architektur der Frontfassade eine neue Dreidimensionalität und raffinierte Farben verleiht. Zur Eröffnung inszeniert sie gemeinsam mit dem Komponisten Wolfgang Mitterer eine audiovisuelle Performance in der Lothringerstraße, wobei sowohl in Sachen Licht als auch in Sachen Klang innovative Technik zum Einsatz kommt.
Dank der Unterstützung der Magistratsabteilung 33, die das Projekt als Teil des Konzepts „Lichtraum Karlsplatz“ substantiell gefördert hat, konnte der Lichtraum Wiener Konzerthaus realisiert werden. Wir danken den Stadträten Dipl. Ing. Rudolf Schicker und Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny für die tatkräftige Unterstützung. (Presseinformation Wiener Konzerthaus)
Eröffung
Zur Eröffnung der neuen permanenten Lichtinstallation inszenierten Victoria Coeln und der Komponist Wolfgang Mitterer eine audio-visuelle Performance.
Die Phänomene «Musik» und «Licht» weisen dieselben – nur scheinbar widersprüchlichen – Merkmale auf: kraftvoll und raffiniert ebenso wie immateriell und vergänglich. Mit «Lichtraum Wiener Konzerthaus» entsteht gewissermaßen eine künstlerische Analogie zwischen den Konzerten im Inneren und der optischen Komposition an der Außenfassade des Konzerthauses. Ihre reliefartige Struktur wird dabei, in Interaktion mit Farbe und Licht, zum «Hauptthema». (» Index)
Lichtfarben, feinst moduliert, mischen sich an der Konzerthausfassade zu einem weiss schattierten Spiel. Die Farbigkeit ändert sich mit dem Blickwinkel: Spaziert man vom Schwarzenbergplatz auf das Konzerthaus zu, dominieren an der Architektur Mischungen aus Rot, Magenta, Orange und Gelb. Befindet man sich am Eingang des Stadtparks, und blickt in Richtung Konzerthaus, wird die Vielfalt der kühleren, grünlich-blauen Skala sichtbar. Steht man direkt auf der gegenüberliegenden Seite der Lothringerstraße, so dominieren an den Flächen verschiedenste Weißtöne, während das architektonische Relief von scharfen Farbkonturen neu gezeichnet wird — ein international neuer Zugang im Aesthetic Lighting, basierend auf der direkten Verbindung des klassisch künstlerischen Mediums der Malerei mit innovativer Technologie. (» Index)
Am Gehweg rechts und links von der Markise entsteht der zweite Teil des aktiven Lichtraums, der speziell die Passanten und Besucher des Wiener Konzerthauses in das Lichtkunstwerk miteinbezieht. Sobald man in diesen Lichtraum, in das Chromotop am Gehweg eintritt, wird das Licht «aktiv». Menschen werfen vielschichtige, flüchtige Farbschattierungen auf die Bodenflächen, sie «malen» mit ihren Körpern im Licht. In jedem Augenblick neu, in Bewegung, entstehen jetzt kaleidoskopartige, temporäre Bilder äquivalent zu den geometrischen Farbkonturen am Gebäude. Der Lichtraum, das Chromotop, erfasst also gleichermaßen das Relief der Architektur wie auch die Menschen am Gehweg. Immer wieder neu entstehen am Boden farbige Schattierungen, flüchtige Spuren bewegter Bilder.
Klassische Malerei — Innovative Technologie
Die Verbindung des künstlerisch klassischen Mediums der Malerei mit den neuesten Entwicklungen in der Lichttechnologie ermöglicht ein besonders feines Modulieren des Lichts. Physikalische Basis bildet das hochkomplexe Symstem additiver und subtraktiver Farbmischungen mittels Licht.
An fünf Lichtmasten im gegenüberliegenden Grünstreifen sind sechs HMI-Projektoren montiert, die mit sechs unterschiedlichen Sets dichroitischer Glasfilter ausgestattet sind. Jedes Set besteht aus sieben Schichten, die gemeinsam das Relief der Fassade erfassen und sich dort mischen. Die Lichtquellen werden gleichmäßig, aus unterschiedlichen Winkeln auf die Frontfassade gerichtet. Ergänzt werden die konventionellen Projektoren durch achtundsechzig für dieses Projekt eigens entwickelte LED-Strahler (Light-Emitting-Diode). Optische Geräte und Malerei sind präzise aufeinander abgestimmt, wodurch der Betrachter zunächst ein symmetrisch helles, elegantes Gebäude wahrnimmt.
Nähert man sich dem Konzerthaus, so werden die intensiven Farben in der Vertiefungen des Reliefs sichtbar. Statt mittels der sonst gewohnten Schwarzweiß-Kontraste wird die Fassade durch raffinierte Farbkontraste neu gezeichnet: Das architektonische Relief aktiviert die Lichtkomposition, die frontalen Flächen bleiben hell, und in den Vertiefungen entstehen geometrisch klar konturierte Farbschatten, statische Farblinien. (» Index)
Lichtanlage:
6 dichroitische Filtersets, gefertigt nach gemalten Entwürfen 6 InnoFour 575W 25-50°Zoom in Tempest-Gehäusen + 68 LED-3x12W, Amber, Grün, Blau, und Weiß in unterschiedlichen Verhältnissen zusammengestellt.
Die ersten Vorarbeiten für das Lichtprojekt wurden im Zuge der Bauarbeiten der Lothringerstraße vorgenommen. Es wurden 5 Stück der bestehenden Lichtmaste auf verstärkte Lichtmasttypen getauscht, um die Scheinwerfer bzw. LED-Strahler entsprechend montieren zu können. Seitens der Magistratsabteilung 33 wurde ein Kabelzug, von zirka 800m, für die neue LED-Anstrahlung vom Verteiler Konzerthaus zu den Lichtmasten eingezogen. Im Zuge der Montagearbeiten wurden, unter Mithilfe des Eigenpersonals der MA 33, 68 Stück LED-Strahler und 6 Scheinwerfer auf den Lichtmasten montiert. (» Index)
Team
Lichtmodell (M = 1 : 25)
LICHTFABRIK HALOTECH, Innsbruck
Technische Entwicklung und Umsetzung
Heinz Repper
Technischer Direktor, Wiener Konzerthaus
Lichttechnische Beratung
Gerhard Dully
MA 33, Öffentliche Beleuchtung Wien
Lichtprojekt Gehweg
MCE-Beleuchtungstechnik, Sil
Konventionelle Projektoren
InnoFour 575W, Lighting Innovation, Wien
LED-Technik
Lumitech, Jennersdorf
Dichroitische Filter
Dr. Sztatecsny GmbH, Korneuburg (A)
für Prinz Optics, Stromberg (D)
Roscolab, London (UK)
© Victoria Coeln, 2004–07



